Fachartikel Redaktion SPIELFIGUR
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Lukas Biewald, Gründer von Crowdflower
Automatische Qualitätssicherung
Gibt es tiefere Mechanismen in den Wirtschaftssystem, die Crowdsourcing-Lösungen geradezu unverzichtbar machen? Lukas Biewald ist davon überzeugt. „Letztes Jahr hatte ich ein einschneidendes Erlebnis auf der CrowdConf in San Francisco. Als ich die Frage stellte, wer schon von Crowdsourcing gehört habe, erntete ich schallendes Gelächter“. Lukas Biewald, der Gründer der überaus erfolgreichen Plattform Crowdflower mit einer Million realisierter Projekte will damit sagen, dass in den USA das Thema Crowdsourcing längst tief im Prozessdenken der Unternehmen und Agenturen angekommen ist. Mag es vor drei Jahren noch Neugier und Experimentierfreude gewesen sein, die Firmen dazu trieb Aufgaben an anonyme Massen zu delegieren, so regiert heute nüchternes Business-Kalkül. Zur Illustration seiner Ausführungen während der CrowdConvvention in Berlin zog er eine Vergleichsanalyse aus Google Trends heran. Weltweit nimmt die Häufigkeit der Suchanfragen nach dem Begriff Crowdsourcing deutlich zu, wogegen der Begriff Outsourcing an Bedeutung verliert. Gemessen in absoluten Abrufen ist Outsourcing nach wie vor deutlich vorn, aber gegen 2013 werden sich die Kurven schneiden, meint Biewald. Auch die Menge der auf Crowdflower abgegebenen Bewertungen steigt rapide an Was ist der Grund für den schnellen Erfolg der Businesspraktik Crowdsourcing? „Die Unternehmen machen es nicht, weil es billiger ist, sondern weil es besser ist“, sagt Lukas Biewald. Gemeint ist das Preis-Leistungsverhältnis aber auch die Leistung selbst. „Die enorme Skalierbarkeit von CrowdsourcingProzessen treibt die Qualität nach oben“. Plattformen wie Netflix Prize beweisen, dass es keineswegs um den billigen Einkauf von Dienstleistungen geht. Auf der Plattform wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem nach einem neuen Suchalgorhythmus gefahndet wurde. Preisgeld: eine Million Dollar. Soeben gestartet wurde ein neuer Wettbewerb auf Kaggle.com. Er läuft über zwei Jahre und sucht nach einem Algorhythmus, der aus historischen Patientendaten vorhersagen kann, welcher Kunde – z.B. einer Versicherung – im nächsten Jahr ins Krankenhaus muss. Preisgeld: drei Millionen US Dollar. Ohne die Existenz der Idee von Crowdsourcing wäre eine solche Ausschreibung nahezu sinnlos gewesen. Stattdessen hätten die Unternehmen das Geld lieber in die Hand genommen, um die besten Forscher der Konkurrenz abzuwerben.
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Unverzichtbar, so Biewald, ist Crowdsourcing auch dort, wo Unternehmen flexibel ihre Arbeitskraft anpassen müssen. Sei es aus Krisen heraus oder in besonders chancenreichen Marktsituationen. Das gilt auch für öffentliche Einrichtungen. Als Beispiel verwies Lukas Biewald auf die Erdbebenkatastrophe in Haiti. Innerhalb von 48 Stunden hatten die Mobilfunk-Carrier eine zentrale Rettungsnummer geschaltet. Überraschenderweise waren die meisten Funkmasten intakt geblieben. Jeder Hilfsbedürftige, jede Rettungskraft konnte per Sprache oder SMS seinen Hilferuf dort absetzen. Die meisten davon aber waren kreolisch oder französisch. Crowdflower und Samasource schlugen gemeinsam die Brücke in die Crowd und vermittelten die Nachrichten an Übersetzer auf der ganzen Welt. 17 000 Nachrichten insgesamt wurden verarbeitet. In der Spitzenzeit 5000 in einer Stunde. „Eine solche Menge an Übersetzen kann niemand in kurzer Zeit rekrutieren. Das kann man nicht vorbereiten“, so Biewald. Tatsächlich etablieren sich mehr und mehr einzelne Projekte und ganze Plattformen, die Crowdsourcing wohltätig einsetzen. Samsasource verteilt Aufgaben in Flüchtlingscamps nach Somalia. Sparked.com ist eine Plattform für Microvolunteering, die explizit Workaholics und Geschäftsleute anspricht, die keine Zeit finden, sich in größerem Rahmen sozial zu engagieren. Sie laden sich die App aufs Smartphone und übersetzen Dokumente für eine Flüchtlingsorganisation vom Englischen ins Portugiesische, während sie auf den nächsten Anschlussflug warten. Aufgrund der schieren Masse an Beteiligungen, kann Biewald auf Crowdflower.com sehr genaue Berechnungen über die Qualität und Akkuratesse des Ergebnisses anstellen. Tatsächlich können die Kunden sogar ein bestimmtes Niveau der Genauigkeit buchen. Da die Kurve degressiv verläuft, benötigt man vielleicht 5000 Teilnehmer für eine Genauigkeit von 85 Prozent und dann aber 5000 weitere um auf 95 Prozent zu kommen. Aber zur Sicherung der Qualität im Projekt sei nicht nur ein hohes Preisgeld und eine hohe Menge an Teilnehmern nötig. Häufig vernachlässigt hätten die meisten Plattformen bislang das Task-Design. „Schon die erste Fragestellung kann die Qualität des Ergebnisses beeinflussen“, so Biewald. Alle Interface-Elemente auf der Plattform stehen derzeit auf dem Prüfstand. „Wir machen intensive A/B-Tests um die Absprungraten zu verringern“. Auch die Zerlegung in Teilschritte ist ein wichtiger Aspekt. „Je kleiner die Aufgaben umso höher die Qualität am Ende“, sagt der Wahlamerikaner. Besonders stolz aber ist Biewald auf einen relativ neu entdeckten Zusammenhang. „Wir zeigen den Nutzern im Profil an, bei welchen Aufgaben sie gut und wo
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weniger gut abgeschnitten haben. Das stärkt deren Selbsteinschätzung und sie werden sich in Zukunft auf die „richtigen“ Aufgaben konzentrieren“. Frank Puscher
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Gibt es tiefere Mechanismen in den Wirtschaftssystem, die Crowdsourcing-Lösungen geradezu unverzichtbar machen? Lukas Biewald ist davon überzeugt.
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„Letztes Jahr hatte ich ein einschneidendes Erlebnis auf der CrowdConf in San Francisco. Als ich die Frage stellte, wer schon von Crowdsourcing gehört habe, erntete ich schallendes Gelächter“. Lukas Biewald, der Gründer der überaus erfolgreichen Plattform Crowdflower mit einer Million realisierter Projekte will damit sagen, dass in den USA das Thema Crowdsourcing längst tief im Prozessdenken der Unternehmen und Agenturen angekommen ist. Mag es vor drei Jahren noch Neugier und Experimentierfreude gewesen sein, die Firmen dazu trieb Aufgaben an anonyme Massen zu delegieren, so regiert heute nüchternes Business-Kalkül.