Fachartikel Redaktion SPIELFIGUR
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Autoren-Artikel
Crowdpublishing
Die redaktionslose Zeitung
Das britische Startup ViewsHound.com versucht den Zeitungsmarkt zu revolutionieren und konzipiert ein Onlineportal, dessen Inhalte von den Nutzern geplant, erstellt und vermarktet werden.
Sie sind nicht zu beneiden, die Verleger weltweit. Die Anzeigenumsätze schrumpfen stetig, die Abonnentenzahlen gehen zurück und der lukrative Markt für Klein- und Stellenanzeigen ist nahezu zum Erliegen gekommen. Nur in stark spezialisierten Nischen oder bei den ganz großen Marken scheint das Konzept der bezahlten Redaktion noch aufzugehen. Mit allerhand Experimenten versuchen Axel Springer, Spiegel, Gruner und Jahr und Co. ihre Inhalte digital zu vermarkten. Das führt mitunter dazu, dass Inhalte von der Homepage kostenpflichtig, von Google kommend aber kostenlos zu finden sind. Jüngst versteckte das Hamburger Abendblatt eine Leserumfrage hinter der Bezahlschranke. Die Nutzer mussten also dafür bezahlen, um die Verpflichtung des neuen Trainers beim FC St. Pauli kommentieren zu dürfen. Genau das Gegenteil exerziert gerade Stephan Bisse mit ViewsHound.com. Der Berliner hat in London ein digitales Verlagsprojekt aus dem Boden gestampft, das alle Aufgaben des Publizierens mit Ausnahme der Technik an die User auslagern möchte. Und das funktioniert so: Zunächst wird täglich bei den derzeit knapp 8000 registrierten Nutzern nachgefragt, welche Geschichte man den lesen möchte. Die Vorschläge gehen ein und werden von den Nutzern bewertet. Die besten 10 Themen gehen dann mit Briefing in eine Ausschreibung und die Leser werden zu Schreibern und machen sich an die Recherche. Rund 100 Artikel bekommt die Plattform derzeit pro Tag. Noch wacht eine Schlussredaktion über die Qualität der Texte und achtet darauf, dass keine rechtlich problematischen Inhalte dort zu finden sind. Doch selbst diese Funktion will Stephan Bisse auf Dauer an die Gemeinschaft übergeben. „Es ist nur eine Frage der Menge der Augenpaare, die darauf schauen, dann werden Fehler gefunden“. Bisse erläutert, dass zum Beispiel Fotos, die Urheberrechte verletzen könnten schon jetzt sehr schnell von der Community entdeckt werden. Der Clou zu ViewsHound.com liegt in der Vermarktung. Auch das übernehmen die User. Zum einen dürfen sie die fertig redigierten Artikel auf allen möglichen eigenen Plattformen, zum Beispiel auf Facebook und in Blogs selbst verwenden. Dadurch können sie zum Beispiel im Blog einen kleinen Deckungsbeitrag erwirtschaften, Viel wichtiger aber ist der virale Effekt. Die Artikel tragen den Link zur Quelle ViewsHound.com und sind gleichsam Werbeträger für die Plattform. Während in der Startphase ein Gutteil der Werbeeinnahmen aus Google Adwords und Affiliate-Systemen kommt, möchte Bisse das in Zukunft um Premiumpartner und Themensponsoren ergänzen. Auch die werden von den Lesern/Autoren gesucht: „Die sind durch die Recherchen sehr viel näher am Markt und wissen, welches Unternehmen eventuell in einem Umfeld werben möchte.“ Die Einnahmen werden hälftig geteilt. Derzeit kommt ein Artikelautor auf einen Durchschnittsverdienst von zwischen 20 und 30 Euro pro Beitrag. Im Lauf des nächsten Jahres möchte Bisse den Betrag verzehnfachen. Ein erstes Fazit nach dreimonatiger Öffentlichkeit lautet, dass überraschenderweise 70 Prozent der Leser/Schreiber Frauen sind. Die betreut Bisse via Facebook. „Facebook ist ein perfektes CRM-Tool 03.07.11 07:24:11
2 (Customer Relationship Management) im Crowdsourcing”, so der WahlLondoner.
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Doch das Projekt ist nicht frei von Schwierigkeiten. Unmittelbar nach dem Start meldet sich der Britische Journalistenverband zu Wort und forderte die Abschaltung der Server. Erst als Bisse glaubhaft versichern konnte, dass sein Abrechnungsmodell fairer und transparenter ist, als das der meisten Verlage, ließ man die Beschwerde fallen. Stephan Bisse ist klar, dass sein Modell Tageszeitungen nicht in allen Facetten ersetzen kann. „Investigativer Journalismus wird immer die Kernkompetenz einer Redaktion bleiben, das können wir Freiwilligen gar nicht zumuten“. Auf die Frage, was ein derartiges System mit der journalistischen Ausbildung mache, die ja vor allem darauf basiert, dass junge Journalisten den alten Hasen über die Schulter schauen können, antwortete Bisse pragmatisch: „Es ist doch heute sehr schwer, überhaupt einen Job in einem Verlag zu bekommen. Vielleicht wird ViewsHound ja die Plattform für den sanften Einstieg. Learning by doing“. Frank Puscher
03.07.11
07:24:11
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Das britische Startup ViewsHound.com versucht den Zeitungsmarkt zu revolutionieren und konzipiert ein Onlineportal, dessen Inhalte von den Nutzern geplant, erstellt und vermarktet werden.
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Genau das Gegenteil exerziert gerade Stephan Bisse mit ViewsHound.com. Der Berliner hat in London ein digitales Verlagsprojekt aus dem Boden gestampft, das alle Aufgaben des Publizierens mit Ausnahme der Technik an die User auslagern möchte.