Fachartikel Redaktion SPIELFIGUR
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Autoren-Artikel
Jeff Howe über den Aufstieg des Crowdsourcing “Ich hasste das Wort” Jeff Howe schaut zurück auf seine erste Berührung mit dem Phänomen Crowdsourcing und wagt einen vorsichten Blick in die Zukunft. Fünf Jahre ist es schon her, als Jeff Howes bahnbrechender Artikel im US-Magazin Wired (Ausgabe 14/2006) erschien und den Beginn der Crowdsourcing-Bewegung markierte. Titel: „The Rise of Crowdsourcing“. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht überrascht bin, wie schnell sich das Thema entwickelt und welche tollen Ideen daraus hervorgehen“, sagte Howe in seiner Keynote während der CrowdConvention in Berlin. Vor zehn Jahren arbeitete Howe in der Musikindustrie. Die erkannte als erste das Businesspotential der sozialen Netzwerke. Vor allem auf MySpace fanden Künstler die Möglichkeit, direkten Kontakt zu den Fans aufzunehmen und – unter Umgehung der Labels – Titel und Albums zu verkaufen. Die Frage, die sich Howe im Jahr 2005 stellte war: Welchen Einfluss auf Geschäftsmodelle könnte die rasant wachsende Vernetzung der Nutzer untereinander haben? Die Antwort war simpel: Howe nahm den Prozess in der Musikindustrie und ersetzte die von Künstlern generierten Inhalte durch solche, die von Nutzern generiert wurden. Er fand auch ein erstes Beispiel: Das Open Source Footwear Program von John Fluevog. Der Kanadier rief die User dazu auf, verrückte Schuhentwürfe einzusenden. Preisgeld oder iPads gab es dafür keine. Dafür aber ein kostenloses paar Schuhe und den Ruhm, denn das jeweils realisierte Schuhmodell trägt den Namen seines Gestalters. Tatsächlich finden sich unter den Designs auch zwei Entwürfe von Julia und Luisa aus Berlin. Mit der Idee im Köcher rief Howe Chris Anderson bei Wired an, um ihm eine Geschichte vorzuschlagen, von der nicht einmal wusste, ob es eine Geschichte war. Als Arbeitstitel benutzte er den Begriff Crowdsourcing als „Outsourcing to the Crowd“. „Ich hasste das Wort von Anfang an“ so Howe. „Es war so anbiedernd, so typisch für Silicon Valley“. Chris Anderson rief zurück mit einer positiven Botschaft. Der Artikel war genehmigt auf acht Seiten. „Chris sagte, dass zwar keiner das Konzept verstanden hatte, aber den Begriff fanden alle klasse“. Nach recht kurzer Recherche fand Jeff den prototypischen Anwendungsfall, der die Story zur Geschichte machte: digitale Fotografie. Die Plattform iStockPhoto sammelt Bilder von Jedermann und verkauft sie an Designer, Verlage und Agenturen, zu einem Bruchteil der Preise, die bis dato von den großen Bildagenturen wie Getty Images aufgerufen wurden.
20.06.11 01:05:55
Fachartikel Redaktion SPIELFIGUR
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Autoren-Artikel
Pro Kauf erhielten die Fotografen zwar nur Cent-Beträge. Durch die Nicht-Exklusivität und die Größe der Plattform war es aber durchaus möglich, ein Foto 1000 Mal zu verkaufen und damit ein attraktives Honorar zu erwirtschaften. Noch während der Recherche kaufte Getty Images iStockPhoto für 50 Millionen Dollar. „Getty-Gründer Jon Klein sagte mir, dass wenn jemand sein Stammgeschäft kanibalisiert, dann doch bitte jemand es dem eigenen Stall“, erinnert sich Howe. Howe machte vier Faktoren aus, die für den Erfolg des Crowdsourcing verantwortlich waren. 1. Die Amateur-Renaissance: Als Gegenwicht zur immer arbeitsteiligeren Welt mit der starken Abkoppelung des Individuums vom Produktionsergebnis etablierten sich Hobby-Bewegungen mit einem hohen Drang nach Kreativität und Beteiligung. 2. Die Open Source Revolution: Das Beispiel Wikipedia zeigt, das schon der Aspekt an etwas Großem teilzuhaben, Motivation genug sein kann. 3. Die Demokratisierung der Produktionsmittel: Früher gab es AutoCad-Labs für technische 3D-Zeichnungen, die 200 000 Dollar kosteten, heute macht Google Sketchup fast das Gleiche umsonst. 4. Der Aufstieg der Communities: Früher gruppierten sich die Menschen vor allem physisch in der Nachbarschaft, heute gruppieren Sie sich nach Interessen digital. Um Letzteres zu illustrieren, nannte Howe während der Keynote in Berlin das Beispiel Etsy.com, der Plattform für kreative Amateur-Handarbeiten jedweder Form. „Zum Leidwesen meiner Frau habe ich fast unser ganzes Haus Etsy-fiziert“. Fünf Jahre nach seiner ersten Recherche erkennt Howe aber auch die Tragweite der Entwicklung und sieht die Risiken. „Die Reaktion der Verbände und Gewerkschaften wird kommen und die haben laute Stimmen“. Schon heute kritisierten viele Designer die Tatsache, dass man für Plattformen wie Crowdspring „spekulativ“ produziere, weil man ja nie weiß, ob die Arbeit bezahlt wird. Die höchste Dynamik für die Zukunft vermutet Jeff Howe in Microtasks. „Die mobilen Anwendungen werden Crowdsourcing voran treiben. Das größte Potential hat die Lunch-Crowd, die in der Kaffeepause mal eben Bilder taggt oder Vogelrassen bestimmt.“
20.06.11
01:05:55
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Jeff Howe schaut zurück auf seine erste Berührung mit dem Phänomen Crowdsourcing und wagt einen vorsichten Blick in die Zukunft.
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Fünf Jahre ist es schon her, als Jeff Howes bahnbrechender Artikel im US-Magazin Wired (Ausgabe 14/2006) erschien und den Beginn der Crowdsourcing-Bewegung markierte. Titel: „The Rise of Crowdsourcing“. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht überrascht bin, wie schnell sich das Thema entwickelt und welche tollen Ideen daraus hervorgehen“, sagte Howe in seiner Keynote während der CrowdConvention in Berlin.